Mehr Infos zum Waldkindergarten Seefeld anfordern!

Entstehung

Wie der Kindergarten in den Wald kam

Gründungsgeschichte:

Im Frühjahr 2002 waren unsere beiden Töchter drei Jahre alt und sollten ab Herbst in den Seefelder Kindergarten gehen. Doch es kam alles anders …
Wir waren völlig davon überrascht, dass keine Kindergartenplätze frei waren. Vor die Entscheidung gestellt, in andere Nachbargemeinden auszuweichen oder ein Jahr zu warten, suchten wir nach einer Alternative. Da tauchte der Gedanke an einen Waldkindergarten auf.

Bauwagen SchildMandala

Nachdem wir uns informiert und in anderen Waldkindergärten hospitiert hatten, konnten wir andere Eltern in der gleichen Lage mit unserer Begeisterung anstecken: die Idee wir gründen einen Waldkindergarten war geboren. Wir entschieden uns aktiv zu werden als pädagogische Leitung, Rike Siebers, und Vorstand, Larissa Hirzinger im eigenen Kindergarten, nach unseren Vorstellungen.

Kein Problem, oder doch? Wir mussten doch nur noch den Bürgermeister samt Gemeinderat überzeugen, einen geeigneten Platz suchen und einen Verein gründen. Dann brauchen wir „wetterfeste“ Mitarbeiter, noch mehr mutige Eltern und schließlich einen Bauwagen als Unterschlupf.

Das war kein leichtes Unterfangen, aber gewagt haben wir es trotzdem. Der Mut dazu entsprang nicht nur aus der Notlage, sondern vor allem aus der Faszination für die Waldpädagogik. Durch die Vielfalt der Möglichkeiten, die die Natur unseren Kindern das ganze Jahr über bieten kann.

Nachdem ein traumhafter Platz für den Bauwagen gefunden war, begeisterten sich immer mehr engagierte Eltern, die offen waren für dieses Projekt. Auch die Gemeinde Seefeld hat uns wohlwollend unterstützt.

So machten im Herbst 2002 tatsächlich 13 Kinder und zwei Erzieherinnen voller Unternehmungslust die ersten Schritte in den Wald. Wir hatten es innerhalb von wenigen Monaten geschafft, unsere Idee zu realisieren. Motiviert hat uns die Freude am Aufbruch, die Neugier auf Entdeckungen und der Wunsch unseren Kindern eine ganz besondere Kindergartenzeit zu ermöglichen.

Wir wünschen dem Waldkindergarten weiterhin die Begeisterung und Freude, die dieses Projekt zum Entstehen und Gelingen gebracht haben.

Rike Siebers und Larissa Hirzinger

 


 

Meine Zeit im Waldkindergarten

Bericht einer ehemaligen Wald-Mutter

Der Waldkindergarten feierte 2012 sein 10-jähriges Jubiläum – so weit im Voraus haben wir damals bei seiner Gründung im Jahr 2002 nicht gedacht.
Wie damals im Sommer 2002 alles begann – für unsere Familie startete das Vorhaben Waldkindergarten wie folgt. Im Juli 2002 erfuhr ich auf dem Spielplatz von dem Vorhaben, dass zwei Frauen einen Waldkindergarten in Seefeld gründen möchten. Hörte sich interessant an, besonders vor dem Hintergrund, dass unser Sohn Paul bei der Kindergartenplatzvergabe leer ausgegangen ist und um ein weiteres Jahr vertröstet wurde. So etwas kann man sich heute in der Gemeinde Seefeld glücklicherweise nicht mehr vorstellen bei dem reichhaltigen und vielfältigen Angebot für Kleinkinder.

Im August 2002 nahm ich dann an einer Informationsveranstaltung für interessierte Eltern teil. Schnell war ich endgültig überzeugt davon, dass dies der richtige Kindergarten für uns ist. Larissa Hirzinger und Rike Siebers haben voll Power, Elan und pädagogischem Sachverstand die anwesenden Eltern mit ihrer Begeisterung für die Idee vom Kindergarten ohne Raum und dem ganzen Tag draußen im Wald eingenommen, so dass wir direkt einen Trägerverein gründeten. Durch die konzeptionelle Vorarbeit, die kompetente Realisation und den guten Draht zur Gemeindeverwaltung konnte der Waldkindergarten bereits Mitte September mit 15 Kindern seinen Betrieb aufnehmen. Alle beteiligten Eltern waren schnell infiziert vom Waldkindergartenvirus und haben mit viel Engagement und in Eigenleistung den Bauwagen am Ende der Schützenstraße ausgebaut. Innerhalb kürzester Zeit wurde hier den Kindern ein liebevoll und funktionell ausgestatteter Unterschlupf geschaffen. An dieser Stelle gebührt auch der Gemeinde ein Dankeschön, die das ganze Vorhaben Waldkindergarten in Seefeld immer finanziell und auch tatkräftig unterstützt hat und das Ganze überhaupt ermöglicht hat.
Dann kam der große Tag, Pauls erster Waldkindergartentag, mit seinen noch nicht einmal drei Jahren. Ausgestattet mit Rucksack und in voller Matschmontur, die für die nächsten drei Jahre sein täglicher Begleiter wurde. Für ihn war das der Beginn von drei tollen, spannenden, lehrreichen und bewegten Jahren, die er in ganzen Zügen genossen hat. Es gab keinen einzigen Tag, an welchem Paul in der Früh nicht in den Wald wollte, egal welches Wetter und welche Temperatur, täglich ist er an meiner Hand die Schützenstraße in der Früh hinauf gestapft. Mittags hat mich dann sehr oft ein von oben bis unten schlammverschmiertes, glücklich strahlendes Kerlchen erwartet, bei dem nur noch die Augäpfel und Zähne weiß strahlten. Paul hat in den drei Jahren im Waldkindergarten viel mitgenommen an Wissen über Vögel, Bäume und Pflanzen. Ständig wollte er von seinen beiden Erzieherinnen, Rike Siebers und Juliane Meenke wissen, welcher Vogel da zwitschert und warum dieser Pilz dort wächst und die Pflanze giftig ist. Geduldig haben die beiden immer seine Fragen beantwortet und ihm ganz nebenbei eine Menge dabei beigebracht. Das wichtigste für ihn war jedoch, dass er genau das bekommen hat, was er gebraucht hat: viel Bewegung an der frischen Luft, viel freies Spiel und Freude am Umgang mit der Natur. Als er dann in die Schule kam, war er sehr begierig darauf zu lernen. Es fällt ihm leicht, sich ausdauernd und gut zu konzentrieren und er hat nach wie vor, selbst in der 6. Klasse Gymnasium eine große Freude am Lernen.

Für unsere Tochter Lilly kam ebenfalls nichts anderes als der Waldkindergarten in Frage, ist sie doch als Baby im Kinderwagen schon immer dabei gewesen. Lilly ist ein motorisch sehr aktives und fast unruhiges Kind gewesen, dabei immer neugierig und ständig hatte sie irgendwelche Dinge zu tun. Sie durfte ihren Bewegungsdrang im Wald ausleben, matschen und in Pfützen springen, auf Baumstämme klettern und toben, ausgiebig spielen und die Umgebung entdecken. Sie konnte ihre Grenzen austesten, lernen Rücksicht und Verantwortung für andere zu übernehmen. Das hat ihr Selbstbewusstsein und ihre soziale Kompetenz enorm gestärkt. Mittlerweile hatte sich das Erzieherteam mehrmals verändert und mit Silke Rudat ist schließlich eine erfahrene Walderzieherin dazu gekommen, welche die Kinder in ihrer Kreativität und Phantasie, bis jetzt mit ihrer liebevollen und geduldigen Art großartig unterstützt.
Zwischenzeitlich war ich im Vorstand engagiert, habe nebenbei eine Menge über Personalpolitik gelernt und mich mit Larissa Hirzinger durch neue Gesetzesvorlagen gekämpft. Wir mussten uns mit so manchen Vorurteilen herumschlagen, ob die Kinder denn im Wald auch richtig sprechen lernen, geschweige denn, ob sie dann in der Schule mithalten können. Im Laufe der Zeit haben wir die Vor- und Nachteile einer Elterninitiative kennengelernt. Erfahren, wie schwierig es ist, auf dem umkämpften Arbeitsmarkt kompetentes und engagiertes Erziehungspersonal zu finden. Vor fünf Jahren haben wir dann im Rahmen des Eichenalleefestes in Seefeld unser erstes kleines Jubiläum gefeiert. Zwischendurch wurde das Konzept mehrmals überarbeitet, mit der Gruppengröße experimentiert, sowie mit zusätzlichen Angeboten. Wir haben tolle Feste gefeiert, den Bauwagen renoviert, Köder gegen den Fuchsbandwurm ausgelegt, viele Kinder in die Schule verabschiedet und neue Eltern dazu gewonnen und noch vieles mehr.

Mein Fazit von fünfeinhalb Jahren im Waldkindergarten in Seefeld: Für unsere Kinder war der Waldkindergarten eine wichtige, durchweg positive Zeit!

Sie durften ganze drei Jahre lang Kind sein und alles das erfahren, was ein Kind braucht, um vorbereitet zu sein – kein gezieltes Erarbeiten von Fähigkeiten, sondern der Erwerb von Grundvoraussetzungen, welche Kinder zum Lernen brauchen: motorische, kognitive und soziale Kompetenzen. Ein besonderes Merkmal von Waldkindern möchte ich hervorheben, das Entdecken und Wahrnehmen von Kleinigkeiten und Einzelheiten, mittlerweile nicht nur auf dem Waldboden, sondern auch in Büchern und anderen Dingen. Die Wahrnehmungsfähigkeit wird enorm geschärft. Kinder „erleben“ im wahrsten Sinn des Wortes ihre Umgebung, was wiederum im Hinblick auf schulischen Erfolg ihre Aufmerksamkeit fördert. Die Freude am Lernen hat bei unseren Kindern dazu geführt, dass beide erfolgreich in der Schule sind, sehr selbständig arbeiten und alleine Hausaufgaben machen. Sie haben ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt und übernehmen gerne Verantwortung. Erwähnenswert ist auch das bemerkenswert robuste Immunsystem unserer beiden Kinder und, dass sie nach wie vor bei jedem Wetter gerne draußen sind.

Mich persönlich freut es sehr, dass der Waldkindergarten nach 10 Jahren eine etablierte, pädagogisch wertvolle und gefragte Einrichtung in unserer Gemeinde ist.
– Herzlichen Glückwunsch! –

Barbara Langhammer,
Mutter von Paul 12 Jahre
und Lilly 10 Jahre (2012)